Kilometerlange Sandstrände und dramatische Küstenstreifen vs. prachtvolle Moscheen und quirlige Medinas

Steht Marokko tatsächlich nur für Marrakesch und seine vier Königsstädte oder gibt es noch viel mehr, das es zu entdecken gilt? Dieser Frage wollten wir nachgehen und so hieß es: Koffer packen, ab nach Frankfurt und los geht es! Nach nur drei Stunden Flug mit Royal Air Maroc inklusive einer ersten „kulinarischen“ Kostprobe der marokkanischen Küche, landeten wir um 22:40 Uhr in Nador, einer der am schnellsten wachsenden Großstädte Marokkos. Am Flughafen wartete bereits unser örtlicher Bus für den ca. 2,5-stündigen Transfer in unser 1. Domizil, das Radisson Blu Resort Al Hoceima. Drei Polizeikontrollen sei Dank wurden aus den 2,5 Stunden fast drei und so konnten wir endlich um 03:00 unsere Zimmer beziehen.

Nach einer doch relativ kurzen Nacht begann unser Besichtigungsprogramm mit unserem örtlichen Reiseleiter Mohammed. Liebhaber alter Steine kamen bei der Besichtigung der Ruinen von fünf
Wachtürmen in der Nähe des Fischerdorfes Torres de Alcala auf ihre Kosten. Dank „Vitamin-B“ spielte es auch keine Rolle, dass diese historische Stätte bereits im saisonalen Winterschlaf und somit für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich war. Von der Burg Torres, westlich von Al Hoceima, bot sich uns ein spektakulärer Ausblick auf das Mittelmeer. Durchaus Instagram tauglich, was die zahlreichen Schnappschüsse bestätigen. Im alten Fischerhafen von Al Hoceima bog sich wenig später im Restaurant Norsal der Tisch unter den zahlreichen Fischspezialitäten. Was uns noch kurz zuvor in der Auslage des Restaurants mit großen Augen anschaute, lag nun frisch gegrillt auf unseren Tellern. Wir fühlten uns wie Gott in Frankreich – nur halt auf marokkanische Art. Getreu dem Motto: Nach dem Essen sollst du ruhen, oder tausend Schritte tun, unternahmen wir gegen Abend eine kurze Wanderung durch den Al Hoceima Nationalpark. Die Landschaft: wüstenartig, je näher man jedoch der Küste kommt, umso üppiger wird die Vegetation. Ein Paradies für Naturliebhaber und Wanderer.

Dass der Nordosten Marokkos auch durchaus auf Luxus-Touristen und deren Bedürfnisse eingestellt sein kann, zeigte die Besichtigung im 5* Luxus Marchica Lagoon Resort. Mit direktem Blick auf die Lagune und die mediterrane Küste überzeugt es mit Stil und einer gehobenen Ausstattung, die modernen Komfort mit dezenten landestypischen Details und unaufdringlichem Luxus verbindet. Hätte man uns gelassen, wir wären zweifelsfrei geblieben. Doch stattdessen ging es weiter in unser 2. Domizil: Das Radisson Blu Resort Saidia Beach.  Am Nachmittag erwarteten uns die Klippenspringer am Cap de L’Eau. Der ideale Ort für Adrenalin-Junkies. Lokale Springer und Profis führen waghalsige Sprünge aus Höhen von bis zu 28 Metern durch. Wer auf den Sprung ins kühle Nass verzichten möchte, genießt die spektakuläre Aussicht auf die felsige Küste und das Mittelmeer. Ganz ohne Risiko! Abschluss des Tages: Besuch im Naturschutzgebiet Moulouya Natural Reserve im Licht der untergehenden Sonne.

Souks, die bunten Märkte Marokkos, sind ein Muss für jeden Marokko-Reisenden. In den verwinkelten, labyrinthartigen Gassen des Souks von Oujda stieg uns der Duft von Weihrauch und
Zimt in die Nase. Es wurden Waren wie Stoffe, orientalische Gewürze, Teppiche sowie Silber- und Goldschmuck feilgeboten. Konnte man sich früher auf den Märkten auch einen Zahn ziehen oder
seinem Maultier neue Hufeisen anpassen lassen, beschränkt man sich heute, gerade als Tourist, doch lieber auf den Kauf von Gewürzen oder Schmuckwaren. Speziell für Vegetarier vermutlich nicht der schönste Anblick der Reise: Frische Köpfe von Kamelen und Schafen, die vor den Fleischereien in den Lebensmittelgassen des Souks hängen. Die Romantiker von uns kamen bei der abendlichen 2-stündigen Bootsfahrt entlang des Red Beach mit seinen berühmten roten Klippen voll und ganz auf ihre Kosten. Seekrank wurde zum Glück niemand! Als krönenden Abschluss des Tages wurden wir mit einem typisch marokkanischen Abendessen inkl. musikalischer und tänzerischer Untermalung überrascht.

Am vorletzten Tag ging es direkt nach dem Frühstück ins Zegzel-Tal. Durch tiefe Schluchten, Täler und vorbei an Hängen folgen wir dem Lauf des Wadi Zegzel. Unser Ziel die „Grotte du Chameau“
(Kamelgrotte). Die Grotte verdankt ihren Namen der markanten Felsform des umliegenden Gebirges, das in seiner Form an ein liegendes Kamel erinnern soll. Leider ist die Grotte seit 2020 gesperrt und für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Wann diese wieder eröffnet werden soll steht in den Sternen. Nichtdestotrotz ist das Tal, das als grüne Oase in einer ansonsten trockenen Bergregion gilt, durchaus sehenswert und speziell für Wanderer ein lohnenswertes Reiseziel. Ein Auge zudrücken muss man jedoch bei dem herumliegenden Müll. Das sogenannte Littering (achtloses Wegwerfen) ist im Alltag vielerorts noch stark verbreitet. Am Nachmittag Site Inspection im Iberostar Saidia Waves sowie in zwei weiteren Hotels der Radisson Blu Gruppe. Im Anschluss kurzer Besuch im Aquaparc Alpamare Saidia. Die einmalige Gelegenheit, den größten und einzigen von TÜV Deutschland geprüften Wasserpark Marokkos außerhalb der Öffnungszeiten zu besichtigen. Weiterfahrt zur marokkanisch-algerischen Grenze. Die Beziehungen zwischen Marokko und Algerien leiden seit Jahrzehnten unter dem Konflikt um die Westsahara. Seit der Ermordung zweier spanischer Touristen in Marokko im Jahr 1994 ist die Grenze zwischen Algerien und Marokko geschlossen. Nur wenige Meter durch das ausgetrocknete Flussbett entfernt, standen wir algerischen Bürgern gegenüber. Familien, die seit der Grenzschließung getrennt sind, nutzen diesen Punkt, um sich aus der Ferne zuzuwinken und zu unterhalten. Soweit dies auf die
Entfernung natürlich möglich ist. Nach einem Abschlussabendessen im benachbarten Hotel Radisson Blu Residences hieß es am nächsten Tag nach einer kurzen Fahrt zum Flughafen und der 9. und auch letzten Polizeikontrolle Abschied nehmen.

Fazit:
Der Nordosten Marokkos ist ein aktuell noch wenig bekanntes Reiseziel. Al Hoceima, Nador und Saidia haben gezeigt, was in dieser Region steckt, auch wenn es bei der touristischen Infrastruktur
noch einiges zu entwickeln und zu verbessern gibt. Die Reisenden erwarten traumhafte Strände, imposante Berge und wunderschöne Landschaften. Wer das klassische Marokko mit seinen Königsstädten sucht, ist hier sicher falsch. Wer jedoch ein Marokko fernab der Touristenströme erleben möchte oder auf der Suche nach einer neuen Wander- oder Badedestination ist, liegt mit
dieser Destination richtig. Bei der Wahl der Hotels ist es jedoch ratsam, genauer hinzuschauen und sich auf gängigen Bewertungsportale zu informieren. Nicht immer entsprechen die hiesigen Hotels unseren europäischen Vorstellungen/Erwartungen. Ein besonderer Dank gilt der Willy Scharnow-Stiftung für Touristik sowie dem Staatlichen Marokkanischen Fremdenverkehrsamt für diese besondere Reise, die Lust auf me(e)hr gemacht hat. Wir hatten eine tolle Zeit mit einer unglaublich harmonischen Gruppe, die uns noch lange in Erinnerung bleiben wird!

Bis hoffentlich ganz bald – inschallah!

Anja Stöckel
Palatina Kunst & Kultur, eine Marke von Müller Reisen, Massenbachhausen

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